glasstec 2014 Leichte Alternativen bei Mehrscheiben-Isolierglas

Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden hält der Trend zu Dreifach-Isoliergläsern an. Um den hohen Gewichten effizienter Verglasungen entgegenzuwirken, arbeitet die Glasbranche mit Hochdruck an leichteren Alternativen.

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    © Tillmann/Messe Düsseldorf
    Durch den Einsatz von Dünngläsern lässt sich das Gewicht von Dreifach-Isoliergläsern um bis zu ein Drittel absenken.
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    Vakuumisolierglas bietet einen U g -Wert von weniger als 0,5 W/m 2 K bei geringer Gesamtglasdicke.

Der Trend zu großen Glasflächen und Dreifach-Isoliergläsern hat einen Haken. Die hohen Glasgewichte bringen Monteure an ihre Belastungsgrenzen. Ein Isolierglas im Dreifach-Aufbau ist bei üblicher Scheibendicke von vier Millimeter um ein Drittel schwerer als ein Zweifach-Isolierglas. So steigt das Gewicht bei einer Scheibengröße von nur einem Quadratmeter von 20 auf 30 Kilogramm. Große, mehrere Hundert Kilogramm schwere Gläser lassen sich oft nur noch mit technischen Montagehilfen einsetzen. Das erhöht die Montagekosten. Darüber hinaus erfordern diese schweren Scheiben neue Lösungen beim Handling in der Fertigung und treiben die Transportkosten in die Höhe. Auch die Beschlagtechnik stößt bei solchen Schwerlast-Lösungen an ihre Grenzen. Um Abhilfe zu schaffen, arbeiten Forschungseinrichtungen und Glashersteller gemeinsam mit Maschinenbauern an Alternativprodukten mit vergleichbaren oder besseren energetischen Eigenschaften, aber reduziertem Gewicht. Im Fokus stehen dabei u.a. Dünngläser, transparente Folien, Kunststoffplatten sowie hochdämmende Vakuumisoliergläser.

Dünngläser als Alternative

Hinsichtlich der relevanten Faktoren Wärmeschutz (Ug-Wert), Gesamtenergiedurchlass (g-Wert) und Lichtdurchlässigkeit (tV) entsprechen Isoliergläser mit dünneren Gläsern den Werten herkömmlicher Dreifach-Isoliergläser oder übertreffen diese sogar. Seit 2008 stellt bspw. das Isolierglas-Center von Saint-Gobain in Deutschland Dreifach-Isoliergläser aus drei Millimeter dicken Gläsern her. Die Funktionsgläser SGIC Climatop N Light und SGIC Climatop Lux Light sind jeweils um 25 Prozent leichter als Standard-Isoliergläser und erreichen Ug-Werte von 0,5 bis 0,8 W/m2K.

Dennoch bieten Dreifach-Isoliergläser mit Dünngläsern keine Patentlösung für die Gewichtsproblematik. Sie lassen sich nicht in allen Isolierglas-Einsatzbereichen verwenden. Die Rede ist von sehr großformatigen Gläsern und Anwendungen, für die der Gesetzgeber größere Mindestglasdicken vorschreibt, wie dies im Bereich der Absturzsicherung der Fall ist. Ungeachtet dessen setzen Fensterbauer die Iso-Ausführungen mit dünneren Gläsern in vielen Fällen ein und nutzen eine Ergänzung zum klassischen Dreifach-Isolierglas.

Vakuumisolierglas (VIG), mal wieder

Eine weitere Alternativlösung zum Einsatz von Dünngläsern bzw. Kunststofffolien und -platten soll Vakuumisolierglas (VIG) sein. Im Zweifachglas-Aufbau ist  es kaum zehn Millimeter dick und damit sehr leicht. Die Evakuierung der Luft aus dem weniger als einen Millimeter dicken Scheibenzwischenraum (SZR) schaltet die Konvektion und Wärmeleitung nahezu aus. Im Zusammenspiel mit einer Low-E-Beschichtung entsteht eine exzellente Wärmedämmung. Damit der hohe atmosphärische Druck von zehn Tonnen pro Quadratmeter die Scheiben nicht zusammenpresst, sind kaum sichtbare Stützkörper zwischen den beiden Scheiben positioniert. In Europa arbeiten Entwickler derzeit an VIG-Lösungen, die – im Gegensatz zu asiatischen Produkten – ohne Evakuierungsventile auskommen, als Einzelelemente (ohne Gegenscheibe im Isolierglasaufbau) variabel mit Floatglas, ESG und VSG einsetzbar sein und einen Ug-Wert von 0,5 W/m2K und weniger erzielen sollen. Ein in Europa marktfähiges Produkt ist derzeit jedoch nicht bekannt.

Mit welchen Lösungen die Glasbranche im Segment der hochdämmenden Mehrscheiben-Isoliergläser die Herausforderungen der Zukunft meistern will, will die glasstec 2014 zeigen. Die Weltleitmesse für die Glasbranche findet vom 21. bis zum 24. Oktober in Düsseldorf statt.