Die Kehrseite der CO 2 -Steuer

Reinhold Kober, Chefredakteur GFF - © Foto:privat

„Die Diskussion um eine Bepreisung von CO2 zur Rettung des Klimas ist allgegenwärtig“, stellt der Bundesverband Flachglas (BF) im Branchenmedium e-transparent, seinem Newsletter, fest. Es folgt die Mahnung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), einer bloßen Verteuerung insbesondere des Wohnens durch eine Verknüpfung mit der längst überfälligen Förderung für die energetische Gebäudesanierung entgegenzuwirken (mal abgesehen davon, dass erst einmal ausreichend CO2-arme Technologien, die nicht wesentlich unwirtschaftlicher sind, marktreif vorliegen müssten; genau den Beweis ist die Energiepolitik, Stichwort Kohlekraftwerke und Atomstrom-Importe, bis dato weitgehend schuldig geblieben, dazu kommt die Leitungsthematik). Okay, also 35 Euro sind aufgerufen, als Preis für eine der durchschnittlich von uns Bundesbürgern konsumierten 11,3 Tonnen Kohlendioxid per anno, im zweiten Step soll der Obolus – so meldet es das Handelsblatt – innert vier Jahren auf 80 Euro ansteigen, natürlich aus rein ökologischen Gründen. Das betrifft Otto Normalverbraucher mit 395,50, dann mit 904 Euro im Jahr. Die Überlegungen erinnern stark an die Vorhersage vieler Umweltbewegter, nach der der Liter Sprit schon seit fast 20 Jahren fünf Euro kosten müsste – und klammern nicht nur soziale Aspekte, sondern auch den Sinn einer vermeintlichen nationalen Lösung für ein globales Problem zum einseitigen Nachteil unserer Volkswirtschaft vielfach konsequent aus. Die gute Nachricht: Sie führen einen Fensterbaubetrieb, wie unser Recherchepartner Jürgen Sieber in Stetten am kalten Markt (a.k.M.)? Rufen Sie mal Ihren örtlichen Bundestagsabgeordneten an, denn Sie müssten eigentlich der Profiteur eines solchen fiskalischen Lenkungsinstruments sein, neben der Umwelt und dem Bundeshaushalt. Und das geht so: Legt man die Zahlen von Fensterbau Werner Sieber zugrunde, so stattet ein Innungsbetrieb im Jahr durchschnittlich 60 Immobilien (zur einfacheren Berechnung gehen wir hier ausschließlich von Altbausanierungen aus) mit neuen Bauelementen aus.

Im Einfamilienhaus ergibt sich bei 25 Quadratmeter durchnittlicher Fensterfläche und einer CO2-Einsparung von 60 Kilo pro Quadratmeter und anno beim Tausch einer Verbundfenster-Scheibe mit Ug = 3,3 W/m2K gegen eine moderne Dreifach-Isolierverglasung mit Ug = 0,5 W/m2K eine Verbesserung um 1.500 Kilogramm CO2 im Jahr, das macht bei 60 Immobilien eine Einsparung von 90 Tonnen. Wenn der Steuereintreiber pro verbrauchter Tonne Geld fordert, müsste er je eingesparten 1.000 Kilo zahlen, sagen wir – mein Freund ist Finanzminister, soll ja in Berlin auch Spaß machen – im ersten Schritt 20, danach 40 Euro. Das macht 1.800, später 3.600 Euro p.a. An die Fridays for future kids: Spart Euch den Flug zur Demo in der Hauptstadt, werdet lieber Handwerker!

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1. Randverbund, next level: Butylierung, Verträglichkeit, Prozesse – wir schauen, wie’s die Großen machen, und fragen nach bei den Maschinenbauern.

2. EControl, Sage oder Halio: Der Beitrag vergleicht technische Konzepte und die Produktreife und nennt spezifische Merkmale in der Anwendung.

3. E-Mobility im Handwerk: Die volle Ladung an Ökoprestige – aber wie sieht’s mit der Alltagstauglichkeit aus? GFF sammelt dazu Erfahrungsberichte.

Ihr

Reinhold Kober