Ambitionierter Architektenentwurf Kristallfassade bringt Hochhaus zum Leuchten

Im Herzen der baden-württembergischen Stadt Esslingen soll ein neues Wahrzeichen entstehen. Die Fassade wird mit QR-Codes ausgestattet, die das futuristisch anmutende Bürogebäude in eine interaktive Bibliothek verwandeln.

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    Spektakuläre Silhouette: Das Milestone glänzt wie ein Kristallfelsen.
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    In den Baukörper integrierte Würfel werden als Treppen und Podeste genutzt.
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    Auch vom Zugfenster aus können Bahnreisende den Bürokomplex bestaunen.

Nur einen Steinwurf von Stuttgart entfernt liegt die Ingenieurstadt Esslingen am Neckar. Die 91.000-Einwohner-Me-tropole hat einen historischen Stadtkern, der im vergangenen Jahrzehnt mit ambitionierten Sanierungsprojekten in der Nähe des Hauptbahnhofs auf sich aufmerksam gemacht hat. Künftig soll das Stadtzentrum um eine Attraktion reicher werden:Auf zirka 6.500 Quadratmeter entsteht das Milestone, ein zwölfstöckiges Bürogebäude, das einen kreativen Bogen von der Tradition bis hin zur Moderne spannt.

Das ambitionierte Konzept stammt aus der Feder des renommierten Architekturbüros MVRDV in Rotterdam, das sich unter anderem mit den Entwürfen für die futuristische Tianjin Binhai Bibliothek im Nordosten Chinas und den niederländischen Pavillon zur Expo 2000 in Hannover einen Namen gemacht hat.

Gebäude erzählt Geschichten

Mit einer Fassade, die wie ein Crystal Rock, ein Kristallfelsen, funkelt, soll das Milestone die bewundernden Blicke auf sich ziehen und im wahrsten Sinn des Wortes zu einem Meilenstein avancieren. Das Bürogebäude wird laut MVRDV in der Lage sein, spannende Geschichten zu erzählen – über die Menschen, die geografischen Besonderheiten und die Geschichte der Stadt. „QR-Codes an der Fassade machen es zu einer interaktiven Bibliothek für die Öffentlichkeit“, verrät Winy Maas, Mitbegründer von MVRDV. Und wie realisiert man eine solche Gebäudehülle? Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, um konkrete Aussagen hinsichtlich der praktischen Ausführung zu treffen, teilte das Architekturbüro auf Nachfrage von GFF mit. Erst Ende des vergangenen Jahres hatte MVRDV den Zuschlag für den Bau des Bürogebäudes erhalten. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 vorgesehen.

40 Meter hohe 3D-Karte

Das Konzept der Architekten sieht die Errichtung von Büros auf den oberen Etagen vor. Für eine optimale Work-Life-Balance sollen sie als helle, attraktive und flexible Räume an das unterschiedliche Verhalten der Nutzer angepasst sein. Im Erdgeschoss laden Restaurants, Cafés und Bars die Besucher zum Verweilen ein.

An der plastischen Fassade des Milestone soll eine so genannte Glasfritte verbaut werden. Der Werkstoff, der durch oberflächliches Schmelzen von Glaspulver entsteht, reduziert die Überhitzung im Sommer und macht eine Klimatisierung überflüssig. Für die nachhaltige Energieerzeugung sorgen Photovoltaik-Zellen, zudem verbreiten QR-Codes Informationen über die Stadt in einer verpixelten, dreidimensionalen Karte. Die Glasflächen sind teilweise transparent, teilweise spiegeln sie die Umgebung wider. Dadurch wirkt das Gebäude etwas mystisch, aber gleichzeitig luftig-leicht und wenig massiv. Nachts soll die spiegelnde Kristallfassade als neuer Leuchtturm der Stadt erstrahlen. Auch vom Zugfenster aus können Bahnreisende das Milestone bestaunen. Die interaktive Karte im unteren Teil des Gebäudes wird ungefähr 40 Meter in die Höhe ragen. In den Baukörper integrierte, öffentlich zugängliche Treppen, Terrassen und Plattformen eröffnen die Aussicht auf die umliegenden Berge und Weinanbaugebiete. Ein Durchgang führt direkt zu den Bahngleisen und dem nahe gelegenen Neckarufer. Geht es nach den  Vorstellungen der Architekten, soll das futuristische Gebäude zu einem neuen Publikumsmagnet für Einwohner und Touristen werden. Es bleibt abzuwarten, ob ihnen das gelingt.