Metall -

Coronakrise Schloss- und Beschlagindustrie rechnet mit Rückschlägen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu massiven Einbrüchen der Wirtschaftstätigkeit geführt – eine Umfrage zeigt den aktuellen Stand und die Aussichten in der Schloss- und Beschlagindustrie.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu massiven Einbrüchen der Wirtschaftstätigkeit geführt – auch die Schloss- und Beschlaghersteller sind davon betroffen. "Um die Folgen der Corona-Pandemie für die Branche besser beurteilen zu können, haben wir unsere Mitgliedsunternehmen zu den Auswirkungen auf deren aktuelle Geschäftstätigkeit befragt", sagt Holger Koch, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB). Die Umfrageergebnisse gelten laut Koch ausschließlich für den Baubeschlagbereich. Die Erhebung fand vom 31. März bis zum 2. April 2020 statt, 27 Unternehmen haben sich insgesamt daran beteiligt. Zulieferer zur Kraftfahrzeugindustrie dürften aufgrund der Produktionsstillegungen bei verschiedenen Abnehmern deutlich stärker betroffen sein. Die Möbelindustrie und somit ebenso deren Zulieferer könnten von der staatlich verordneten Kontaktsperre gegebenenfalls profieren: Die Verschönerung der eigenen Wohnsituation ist laut Branchenberichten häufig ein realistisches Szenario.

Umsatzrückgänge verstärken sich zukünftig

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat auch die Industrieunternehmen erreicht, nachdem sich zuerst der Dienstleitungssektor mit Einbrüchen konfrontiert sah. Die Bauindustrie und ihre Zulieferer folgen dieser Entwicklung mit leichter Verzögerung. Im Schloss- und Beschlagbereich berichten inzwischen 59,3 Prozent der Unternehmen von Umsatzrückgängen, die im Mittel bei zirka 20 Prozent liegen. Für einige Hersteller lagen die März-Umsätze noch auf konstantem Niveau bzw. knapp darüber. "Erklärt wird dies mit möglichen Lageraufstockungen beim Handel und den Verarbeitern, um absehbaren Produktionsausfällen entgegenzuwirken. Für den April wird aber seitens der Schloss- und Beschlaghersteller mit deutlichen Rückschlägen gerechnet", sagt Koch. Ein Blick auf die Auftragseingänge bestätigt das: zwei von drei Unternehmen melden bereits Rückgänge in Höhe von durchschnittlich zirka 22 Prozent. Jeder neunte Befragungsteilnehmer meldet bereits erhöhte Auftragsstornierungen.

Der April lässt sich als entscheidender Monat für die Stärke des Rückganges ansehen. Zirka vierzig Prozent der Mitgliedsunternehmen berichten von Produktionsausfällen. Als Grund dafür halten sich Gründe wie fehlendes Personal – aufgrund von krankheitsbedingtem Ausfall, Quarantäne, häusliche Isolation oder fehlender Kinderbetreuung – und bereits heute gestörten Lieferketten ungefähr die Waage. Die Vorräte reichen nach heutiger Einschätzung für zirka ein bis zwei Monate, sofern die Lieferketten bisher nicht beeinträchtigt sind.

Kurzarbeit ist meist unvermeidlich

Zwei Drittel der Schloss- und Beschlaghersteller bauen bereits Arbeitszeitguthaben ab, mehr als vierzig Prozent der Unternehmen ordneten Urlaub an. Diese Maßnahmen reichen aber nicht aus. Jeder vierte Hersteller hat Kurzarbeit eingeführt, weitere sechzig Prozent planen es. Die Bandbreite der Kurzarbeitsdauer spiegelt die große Ungewissheit wider. Sie reicht von vier Wochen bis zu neun Monaten, auch beim Umfang ist kein einheitliches Bild erkennbar. Die vorübergehende Schließung von Betriebsteilen kommt lediglich in Einzelfällen in Betracht und auch der Personalabbau scheint sich aufgrund der vereinfachten Kurzarbeitsregeln in 85 Prozent der Unternehmen vermeiden zu lassen.

Weniger als ein Viertel der Unternehmen will an seinen bisherigen Investitionsplänen festhalten, fast jedes zweite stellt sie zurück. Zirka dreißig Prozent der befragten Unternehmer gehen von einer reduzierten Investitionstätigkeit aus.

Staatliche Hilfsmaßnahmen sind unterschiedlich hilfreich

Die Befragungsteilnehmer bewerten die Unterstützungsmaßnahmen unterschiedlich: Die Erleichterung beim Zugang zu Kurzarbeitergeld erhält von zirka 75 Prozent Zustimmung, die Möglichkeit der Steuerstundung halten mehr als siebzig Prozent für hilfreich. Nur jeder vierte hält Überbrückungskredite und Bürgschaften für sein Unternehmen zur Erhöhung der Liquidität für sinnvoll. Zuschüsse durch Bund und Länder finden eine höhere Zustimmung, die Hilfen finden bei 37 Prozent der Befragten eine Zustimmung. EU, Bund, Länder und Gemeinden seien derzeit kreativ in der Schaffung weiterer Hilfsangebote, so dass die Umfrage nur einen kleinen Ausschnitt berücksichtigen konnte. Entscheidend sei, wie schnell die Hilfe tatsächlich in den Unternehmen ankomme – vereinzelt berichteten Umfrageteilnehmer von zügiger Bearbeitung und Genehmigung.

© gff-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten