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Zu Gast bei einer Persönlichkeit der Branche Rainer Taig, der Wertbau-Macher

Rainer Taig ist einer von denen, die notorisch vorne dran sind. Und wer ihn kennen lernt, der weiß bald warum. Zum 20-jährigen Bestehen setzt Wertbau mit 243 Mitarbeitern 30 Millionen Euro um.

Als er nach der Wende, damals noch im Auftrag von Gealan, in den Osten kommt, stößt er in Thüringen auf die Reste eines Volkseigenen Betriebs (VEB). Trotz der abenteuerlichen Produktion in ein paar Zimmern (!) ist der Mittvierziger schnell von der Goldgräberstimmung des Wiederaufbaus erfasst und kündigt seinen sicheren Job bei dem Profilhersteller. Mit fünf Mann und dem Slogan „Aus dem Osten, für den Osten“ geht Taig 1990 mit seiner Wertbau-Elemente GmbH in Greiz-Schönfeld an den Start. Heute produziert er, der zu Beginn konsequent auf das Rahmenmaterial Kunststoff setzte, mit mehr als 240 Beschäftigten bis zu 2.000 Fenster aus Holz, Holz-Aluminium, Kunststoff, Kunststoff- Aluminium und Aluminium täglich; dazu kommen Türen, Roll- und Klappläden, Wintergärten sowie mit einem Umsatzanteil von acht Millionen Euro der Metallbau am Standort Greiz-Gommla.

Das Herz „der Firma“, wie Taig sagt, schlägt am Sitz in Langenwetzendorf, wo sich fast 28.000 der insgesamt 32.000 Quadrat meter Produktionsfläche befinden. Und ein Pokal. Ein ganz besonderer: „25 Jahre Wertbau“ lautet die Gravur, die auf das Jahr 2015 vorausgreift. Tatsächlich hat der Wertbau-Macher den Pott schon 1995, nach gerade mal fünf Jahren, fertigen lassen. Bekommen soll ihn der, der von den ursprünglichen fünf Beschäftigten das Vierteljahrhundert an seiner Seite vollmacht; derzeit sind von den Starting Five noch Harry Brunner als Bauleiter Metall und Volker Trummer, Teamsprecher Kunststoffsonderbau, im Rennen. Dass der gelernte Bau- und Möbeltischler Brunner sagt „Einen besseren Chef hätten wir uns nicht wünschen können“, verrät: Die rasante Entwicklung von Wertbau zu einem der namhaften deutschen Fensterbauer ist untrennbar mit den Visionen und dem Antrieb Rainer Taigs verbunden. Für das Jahr 2015 der Pokalübergabe hatte er 1995 ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: „Bis dahin werden wir im Markt ganz vorne sein!“ Tatsächlich, bekräftigt er auf GFF-Nachfrage, sollen bis dahin die 50 Millionen Euro Umsatz erreicht sein. Mit ständiger Verbesserung: Die Produktionskosten im Holzbau sollen um 20 Prozent runter. Derzeit lassen sich Sohn Stefan Taig, verantwortlich für die Produktion, ein Holzmechaniker und ein Sachbearbeiter Holz am Institut für Fenstertechnik und der FH in Rosenheim zum ift-Fachtechniker ausbilden. Bei den Haustüren soll die jährliche Fertigung von 4.000 auf 10.000 Stück gesteigert werden. Holz-Aluminium-Fenster, für die der Senior 2010 einen „richtigen Schub“ konstatiert, sollen ebenso weiter gepusht werden wie Holz. Und schließlich „haben wir noch nie so viele Fenster in Eiche massiv verkauft wie heuer.“ Kunststoffrahmen, erläutert der schon vor Jahren in die Geschäftsführung aufgerückte zweite Sohn Carsten (37), gilt es insbesondere im Bereich der energetischen Sanierung zu positionieren; dort glänzt schon heute der mit Acrylglas beschichtete Typ Janus mit ausgezeichneten Reinigungseigenschaften.

Was eingebaut wird, empfehle meistens der Handwerker. Deshalb pflegt Wertbau die Partnerschaft mit 874 Betrieben. Und: „Wir haben ein Personal, das auf jede Auftragsgröße vorbereitet ist“, sagt Rainer Taig, der bei der Arbeitszeit Flexibilität fordert: „Die Stunden müssen atmen“, nennt er das. Und ist bereit, mit Boni für Verbesserungen, seinen Leuten im Gegenzug auch etwas zurückzugeben.

GFF verrät exklusiv die fünf Erfolgsfaktoren von Rainer Taig

1. „Wir bieten unsereren Kunden ein Vollsortiment.“ Tatsächlich ist das Portfolio über die Jahre ständig angewachsen; Beispiel Sonnenschutz: Der Umsatz liegt heute bei einer Million Euro, Rainer Taig sieht aber großes Potenzial für weiteres Wachstum. Und der Innenausbau: Derzeit laufen Gespräche mit Möblern über ein neues System für die Oberflächengestaltung – Stichwort APP-Coating. Es hätte verwundert, hätte Taig nicht auch dazu einen Pfeil im Köcher gehabt.
2. „Wir überprüfen und korrigieren gegebenenfalls ständig unsere Positionierung.“ Das betrifft insbesondere den neuen Claim „Mehr Licht zum Leben“. Carsten Taig, der für den Vertrieb verantwortliche Geschäftsführer, sagt: „Die Branche redet seit Jahren von mehr Emotionen bei der Präsentation ihrer Produkte. Aber es hat sich wenig verändert.“ Spiritualität und Weiblichkeit sollen an die Stelle abgeschnittener Fensterecken treten.
3. „Wir bekennen uns zu einer arbeitsteiligen Marktbearbeitung.“ Außer in der Region überlässt Wertbau das Direktgeschäft Handwerk und Baustofffachhandel. Das gilt nicht im Fassadenbau, wo Objekte mit Architekten in Eigenregie abgewickelt werden.
4. „Wir nutzen unser Potenzial stärker als bisher auch im Verkauf.“ So hat Taig senior im Osten „eine gewisse Preisangst“ ausgemacht, die er dem AD austreiben will. Er will weiße Flecken erobern, indem Wertbau dem Händler hilft, sein Angebot zu komplettieren. Dann versucht der Außendienstler, ihn in den übrigen Segmenten als Partner zu gewinnen.
5. „Wir bewahren uns unseren Mut und unsere Leidenschaft.“ Beides darf Rainer Taig für sich beanspruchen. Das gilt auch für die nächste Generation: Mit Carsten und Stefan (31) steht die in den Startlöchern, auch wenn der Papa (64) noch kein bisschen müde ist.

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