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Die Hintergründe zur Elefantenhochzeit Megafusion zwischen Dorma und Kaba

Dorma und der Schweizer Schließtechnik-Konzern Kaba planen, sich zur Dorma+Kaba Gruppe zusammenzuschließen. Durch die Fusion positionieren sich beide Hersteller ganz weit vorne im Markt und bieten künftig alles rund um den Zutritt zum Gebäude aus einer Hand an.

Mit einem Pro-Forma-Umsatz von mehr als zwei Milliarden Schweizer Franken, an die 16.000 Beschäftigten und Standorten in 53 Ländern rückt Dorma+Kaba nach Darstellung beider Unternehmen in die globalen Top 3 des stark fragmentierten Markts für Sicherheits- und Zutrittslösungen auf. „Unser neues, gemeinsames Unternehmen gewinnt zusätzlich an Gewicht, Größe, Investitions- und Innovationskraft sowie globaler Reichweite“, sagt Thomas P. Wagner, der CEO von Dorma, im Gespräch mit GFF. „Wir bauen das Angebot für unsere Kunden auf einen Schlag signifikant aus und verbessern als künftiger Top 3-Anbieter unsere Marktstellung erheblich.“

Bereits jetzt nehmen beide Unternehmen in ihren Märkten weltweit führende Positionen ein: Dorma bietet Premium-Zugangslösungen und die dazugehörigen Serviceleistungen an und ist ein globaler Marktführer in der Automatik-, Glasbeschlags- sowie Türschließtechnik. Kaba ist ein weltweit führender Anbieter für Zutrittskontrolle, Betriebsdatenerfassung und Schlüsselsysteme. Der Schweizer Konzern ist Marktführer bei Hochsicherheitsschlössern, Hotelschließsystemen, Schlüsselrohlingen, Transponderschlüsseln sowie Schlüsselfertigungsmaschinen. Die technologische Kompetenz, die Produkte sowie die Vertriebskanäle von Dorma und Kaba ergänzen sich nahezu ideal, wie Riet Cadonau, CEO von Kaba und designierter CEO des fusionierten Unternehmens, bei einer Pressekonferenz zum Megadeal sagte. 80 Prozent der Produkte seien komplementär. „Gemeinsam bieten Dorma und Kaba künftig alles rund um den Zutritt zum Gebäude aus einer Hand an: Wir werden zum One-Stop-Shop“, sagte Cadonau. Das umfassende Angebotspaket aus einer Hand ist nach seiner Einschätzung v.a. in den Regionen Naher Osten sowie Asien-Pazifik gefragt, vermehrt auch in etablierten Märkten.

So profitiert Dorma von der Fusion

Dorma erweitert sein Produkt- sowie Service­angebot durch den Zusammenschluss deutlich. „Unsere Stärke bei mechanischen und bei mechatronischen Lösungen wird ideal durch die Schlagkraft  von Kaba im wichtigen Segment elektronischer Zutrittslösungen ergänzt“, analysiert Dorma-CEO Wagner. Das Unternehmen stärke zudem seine globale Präsenz und werde über Produktionsstätten in allen wichtigen Märkten weltweit für diese Industrie verfügen. Auch beim Vertrieb und Service erhält die Marke durch das kombinierte Vertriebs- sowie Servicenetz laut Wagner künftig einen großen Schub: „Während wir in den Phasen Planung und Bau von Gebäuden sowie beim Servicegeschäft sehr gut aufgestellt sind, liegt der Schwerpunkt von Kaba auf der Renovierung sowie Nachrüstung von Gebäuden und dem Projektgeschäft.“ Künftig bediene Dorma+Kaba Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Indem die beiden Unternehmen ihre technologische Kompetenz bündeln, erhöhen sie zudem ihre Innovationskraft. Dorma profitiere vor allem bei elektronischen Zutrittslösungen von dem Wissen und den Innovationen bei Kaba. „Im Ergebnis können wir damit künftig besser auf Markt- und Kundenbedürfnisse reagieren“, betont Wagner. Das Unternehmen sei optimal aufgestellt, um die vier Megatrends Urbanisierung, Digitalisierung, das steigende Bedürfnis nach Sicherheit und den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern weltweit als Wachstumsmotor zu nutzen und die Branchenkonsolidierung somit aktiv voranzutreiben.

Erhebliches Wachstumspotenzial

„Dorma und Kaba sind in jeder Hinsicht Wunschpartner, das Ergebnis ist ein überzeugender Strategic Fit“, bekräftigt Kaba-CEO Cadonau. Mit dem geplanten Zusammenschluss schaffe man Zusatzchancen für nachhaltiges, profitables Wachstum – mit entsprechendem Mehrwert für Kunden, Partner, Mitarbeiter und Aktionäre. Während der nächsten vier Jahre strebt Dorma+Kaba ein Umsatzwachstum einschließlich der Umsatzsynergien von sechs bis sieben Prozent (in Lokalwährungen) pro Jahr an. Aufgrund höherer Einkaufsvolumina, optimierter Infrastrukturkosten sowie Effizienzsteigerungen rechnen die Unternehmen mit Kostensy­nergien von 60 bis 70 Millionen Schweizer Franken pro Jahr, die im vierten Jahr nach der Fusion voll wirksam werden sollen. Auf dem Niveau der Kostensy­nergien für ein Jahr liegen die einmaligen Implementierungskosten. Wissenswert: In diesen Kostensynergien enthalten ist ein „transaktionsbedingter Stellen­abbau“, wie Bernd Brinker, CFO von Dorma und designierter CFO des fusionierten Unternehmens, auf der Pressekonferenz berichtete. Auf Nachfrage erläutert Thomas P. Wagner hierzu: „Wir wollen auch in Zukunft unsere Prozesse effizient gestalten und weltweit Doppelstrukturen vermeiden. Vor diesem Hintergrund planen wir, aufgrund des Zusammenschlusses aus heutiger Sicht zirka fünf Prozent der kombinierten Stellen von Dorma und Kaba abzubauen – und zwar nach objektiven Kriterien und stringenten Prozessen.“ Wagner geht davon aus, dass der Stellenabbau, der innerhalb von vier Jahren erfolgen soll, in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen den beiden Unternehmen erfolge und v.a. die Verwaltung betreffe. „Der lange Zeitraum erlaubt es uns, den geplanten Stellenabbau möglichst sozialverträglich umzusetzen, zum Beispiel über natürliche Fluktuation, die Bevorzugung interner Kandidaten bei der Stellenbesetzung und Vorruhestandsregelungen“, sagt Wagner.

Division DACH ist nun in Ennepetal

Das sind die nächsten Schritte: Nach der Genehmigung der Fusion durch die Kaba-Aktionäre auf der außerordentlichen Generalversammlung am 22. Mai 2015 wird sich die Dorma-Eigentümerfamilie Mankel/Brecht-Bergen mit einem Anteil von 9,1 Prozent an der Kaba­ Holding beteiligen. Der Vollzug des Zusammenschlusses ist – vorbehaltlich einer Zustimmung der Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden sowie weiterer üblicher Bedingungen – für das dritte Quartal 2015 vorgesehen. Dann bringt die Kaba Holding ihre operativen Aktivitäten in die heutige Dorma Holding ein, in der das operative Geschäft zusammengeführt wird, und erhält so einen kontrollierenden Anteil von 52,5 Prozent. Die Familie Mankel/Brecht-Bergen wird entsprechend 47,5 Prozent Anteil an der heutigen Dorma Holding bzw. am kombinierten Geschäft halten.

Die Gruppe wird als Dorma+Kaba im Markt auftreten. Die Dorma+Kaba Holding mit Sitz in Rümlang (Schweiz) wird als Dachgesellschaft der neuen Gruppe deren strategische, operative sowie finanzielle Führung ausüben. In Ennepetal verantwortet die zukünftige Division Access Solutions DACH das Geschäft in den deutschsprachigen Ländern.

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