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2020 und 2021 In Zahlen: Deutscher Markt für Fenster und Türen

Der Fenster- und Türenmarkt in Deutschland hat sich im Corona-Jahr 2020 gut entwickelt und der Pandemie getrotzt. In diesem Jahr erwarten Experten eine Stagnation.

Das geht aus einer Studie hervor, die Branchenverbände in Auftrag gaben. Demnach verschiebt sich 2021 der Fensterabsatz in Deutschland in den Bereich Wohnbau und wird voraussichtlich um 2,2 Prozent auf 10,2 Millionen verkaufte Fenstereinheiten zulegen. Beim Nichtwohnbau werde es dagegen einen Rückgang von 4,4 Prozent auf 5,1 Millionen Einheiten geben. Mit insgesamt 15,3 Millionen Fenstereinheiten in diesem Jahr verbleibe der erwartete Gesamtabsatz damit nahezu unverändert auf Vorjahresniveau, so die in Zusammenarbeit mit der Heinze GmbH erstellte Prognose.

Wachstum 3,5 Prozent im Vergleich zu 2019

„Das vergangene Jahr konnte deutlich erfreulicher als noch im Oktober geschätzt mit einem Plus von 3,5 Prozent gegenüber 2019 abgeschlossen werden. Angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen der Corona-Pandemie ist der deutsche Fenstermarkt bisher gut durch die Krise gekommen“, fasst Frank Lange zusammen, Geschäftsführer des Verbandes Fenster und Fassade (VFF). „Besonders im Modernisierungsbereich fiel das Wachstum mit 4,1 Prozent deutlich besser aus als in den Vorjahren. Die staatlichen Förderungen im Rahmen des Klimaschutzgesetzes haben hier positive Wirkungen gezeigt.“

Negative Tendenz bei Neubauten

Für das laufende Jahr prognostiziert die Studie auf dem Fenstermarkt im Neubau ein Minus von 1,6 Prozent, bei der Modernisierung wird mit einem weiteren Plus von 1,0 Prozent gerechnet. „Den Grund für den insgesamt stagnierenden Markt in diesem Jahr sehen wir in den erwarteten Neubaurückgängen im Nichtwohnbau“, sagt Ralf Olsen vom Verband Pro-K. „Hier rechnen wir für 2021 mit einem Rückgang von 7,4 Prozent auf 2,8 Millionen Fenstereinheiten.“ Für 2022 erwartet man, dass der Gesamtmarkt wieder um 1,9 Prozent auf 15,6 Millionen Fenstereinheiten (FE) wächst. Hier soll neben dem Wohnbaubereich (+2,5 Prozent) auch der Nichtwohnbau leicht um 0,6 Prozent zunehmen.

Nicht-Wohnbau geht deutlich zurück

Dies spiegelt sich auch in den Prognosen zu den Baugenehmigungen wider. In 2021 wird im Wohnbau eine Belebung um +3,1 Prozent erwartet. Im Nicht-Wohnbau ist dagegen mit einem deutlichen Einbruch von -8,3 Prozent zu rechnen. Hier zeige sich deutlich der in 2021 verlagerte Corona-Effekt.

„Bei den Rahmenmaterialien erwarten wir keine großen Veränderungen der Marktanteile“, sagt Holger Koch vom Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie. „Nach wie vor sind Kunststofffenster mit rund 8,8 Millionen Stück oder 58 Prozent der Marktführer, da sie sowohl bei der Sanierung als auch im Wohnungsbau sehr gefragt sind.“ Metallfenster auf dem zweiten Platz werden aller Voraussicht nach auch nächstes Jahr mit rund 2,8 Millionen Stück 18 Prozent des Fenstermarktes in Deutschland ausmachen, Holzfenster zirka 15 Prozent, Metall-Holzmodelle 9 Prozent.

Außentüren-Absatzzahlen

Ähnlich zum Fenstermarkt entwickelt sich auch der Absatz von Außentüren. „2021 werden in Deutschland rund 1,53 Millionen Außentüren verkauft, 2020 waren es rund 1,52 Millionen Stück. Dies entspricht einer Steigerung um rund 0,9 Prozent und spiegelt die geringeren Zuwächse im Ein- und Zweifamilienhausbau wider“, so Koch. Für 2022 werden dem Wohnneubau 2,6 Prozent Steigerung zugetraut, dem Nichtwohnbau bescheidene 0,8 Prozent.

Wie auf dem Fenstermarkt werden auch bei den Außentüren in 2021 die Marktanteile der Rahmenmaterialien nahezu konstant bleiben: Türen aus Aluminium können sich mit einem Marktanteil von 32,2 Prozent fast auf Augenhöhe mit Kunststofftüren mit 32,9 Prozent behaupten. Jede vierte Außentür in Deutschland, rund 25,5 Prozent, wird 2021 aus Holz gefertigt.

Über 700.000 Wohneinheiten genehmigt

„Unsere Branche ist bisher vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise gekommen“, sagt Jochen Grönegräs vom Bundesverband Flachglas (BF). „Der deutsche Fenster- und Haustürenmarkt entwickelte sich in den vergangenen Jahren positiv und wir blicken optimistisch in die Zukunft. Im Neubau sind allein über 700.000 genehmigte, aber noch nicht gebaute Wohneinheiten abzuarbeiten. Und die weiter steigende Bedeutung der Energieeffizienz bietet auch für die Sanierung gute Rahmenbedingungen.“

Importe

Polen steht offenbar ein Bau-Boom bevor. Im ersten Quartal 2021 stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das gab der VFF auf seiner Tagung Markt und Statistik bekannt. Bereits im vierten Quartal 2020 waren mehr Baugenehmigungen erteilt worden als im Vorjahreszeitraum, hieß es. Es sei damit zu rechnen, dass sich infolgedessen die Importe von Polen nach Deutschland verringern.

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