Fensterbau Timm aus Berlin hat den Award Fensterbauer des Jahres 2024 – Produktentwicklung und Fertigung gewonnen. Was ist das Erfolgsrezept des Unternehmens und wie baut es seine technologische Vorreiterrolle weiter aus? Darüber sprachen wir mit Juniorchef Bastian Timm.

Hans Timm Fensterbau hat sich im architektonisch anspruchsvollen Objektfensterbau einen Namen gemacht. "Unsere Bautischlerei wurde 1957 von meinem Großvater Hans Timm gegründet", blickt Bastian Timm zurück. Gemeinsam mit seinen Cousins Jonas Wilde und Benedikt Swiatek führt er das Familienunternehmen in dritter Familiengeneration "Seit Anbeginn erfüllen wir Sonderwünsche im Objektbau und haben uns so eine hohe Expertise erarbeitet."
Um Kunden, insbesondere Architekten und Projektentwickler, Top-Produktqualitäten bieten zu können, sind die einstigen Werkbänke in der Produktion längst hochmodernen Maschinen gewichen. Jüngste Errungenschaft von Timm Fensterbau ist ein CNC-Bearbeitungszentrum für die Komplettbearbeitung von Holzfenstern, das autonom arbeitet und die mannarme Fertigung unterstützt.
Vor rund anderthalb Jahren hat das Unternehmen zudem eine neue Lackieranlage in Betrieb genommen. "Wir haben hier eine komplette 3D-Erkennung der Elemente. Dank anschließender Infrarot-trocknung sind sie innerhalb von 90 Minuten sicher trocken und baustellenfest, auch im Winter", hebt er hervor.
2010 kam der Wendepunkt
Vor rund fünfzehn Jahren erkannte man, dass eine Modernisierung dringend vonnöten ist, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das hieß: Weg von handwerklicher Fertigung hin zu automatisierten Prozessen, neuen Produkten und erweiterten Geschäftsfeldern. Zum damaligen Zeitpunkt bewegte sich Bastian Timm noch auf anderem beruflichem Terrain. "Für mich war der heimische Betrieb jahrelang kein Thema", verrät er. Nach einer Ausbildung als Bankkaufmann und einem Wirtschaftsingenieurstudium hatte er sich in Richtung Investment Banking orientiert. Doch als im Familienunternehmen die Neuausrichtung anstand, war sein Ehrgeiz geweckt und er trat 2010 in die Firma ein. "Ich habe alles durchleuchtet und so quasi jede Schraube kennengelernt", schildert er den Wendepunkt.

Fortan setzte er auf Investitionen in Hightech, um die Transformation voranzutreiben. Und das mit Erfolg: Bis heute hat sich Timm Fensterbau zu einem der führenden Objektfensterbauer in Deutschland entwickelt. Der Standort in Berlin-Marienfelde ist mittlerweile auf 19.000 Quadratmeter angewachsen – verteilt auf vier Werke. Mit rund 160 Mitarbeitern fertigt das Unternehmen hochwertige Fenster- und Fassadenkonstruktionen aus Holz-, Holz-Aluminium-, Aluminium- sowie Stahl für Groß- und Denkmalschutzprojekte. Dabei sind den individuellen Sondergrößen und -formen sowie Ausstattungen, z.B. Einbruchschutz, Schallschutz oder Barrierefreiheit, keine Grenzen gesetzt. Auch Lösungen mit Sonderprüfungen werden realisiert. "Wir steigen bereits in der Pre-Konstruktionsphase in die Projekte ein und helfen Architekten dabei, die Anforderungen zu konfigurieren", erläutert er.
Aufbauend auf den Kernkompetenzen hat Timm Fensterbau die Geschäftsfelder sukzessive erweitert. So sind Nischenmärkte wie der hochwertige Villenbau und der Modulbau hinzugekommen. Ein weiteres Standbein seit etwa fünf Jahren ist der Bereich Hochsicherheit. "Die Sensibilität für erhöhten Schutz steigt", sagt Bastian Timm. "In diesem Segment sind wir inzwischen weltweit unterwegs." So hat das Unternehmen z.B. die Botschaft in Simbabwe mit Hochsicherheitslösungen ausgestattet. Ebenfalls ein Sondersegment ist die Runderneuerung historischer Kastenfenster. "Allein in Berlin gibt es mehr als eine Million historische Kastenfenster", unterstreicht er das Potenzial. "Wir restaurieren 4.500 bis 6.000 Kastenfenster pro Jahr, da gibt es noch viele Möglichkeiten für."
Auch die Kunden wissen das technologische Know-how zu schätzen: In seinem 850 Quadratmeter großen Showroom veranstaltet Timm regelmäßig Seminare für Architekten und Planer. Von Lösungen für Bauen im Bestand bis hin zur fachgerechten Planung und Montage werden alle relevanten Themen geschult. "Früher haben wir uns um das Fenster gekümmert. Heute müssen wir die gesamte Gebäudeöffnung technisch und architektonisch beherrschen", sagt er. "Diese gestiegene Komplexität macht Weiterbildung zum absoluten Must-have."

Wo steht Timm Fensterbau heute?
Dazu Bastian Timm: "Mit unseren Geschäftsfeldern sind wir breit aufgestellt und unsere Sparten ergänzen sich. Das hilft uns, gut durch die Krise zu kommen." Und so blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft. "Unsere vier Werke sind modernisiert und damit auf höchstem Stand", sagt er. "Zugleich konnten wir unsere CO2-Emissionen in den letzten Jahren um 83 Prozent senken." So verwende man z.B. anfallende Holzspäne für das Heizen und komme so ohne fossile Energieträger aus. Luft nach oben gibt es laut dem Juniorchef u.a. bei den Vertriebsaktivitäten. Hier setzt man auf den weiteren Ausbau des Vertriebsnetzes – in Deutschland und weltweit. „Auch die Digitalisierung ist eine große Herausforderung, die sich nicht nebenbei erledigen lässt“, ergänzt er. Inzwischen habe das Unternehmen dafür eine Vollzeitstelle im Haus geschaffen und zwei strategische Partnerschaften geschlossen. "Seitdem machen wir deutliche Fortschritte, auch wenn noch ein Marathon vor uns liegt", so Bastian Timm.“
Stichwort Arbeitskräftemangel: "Es fehlt vor allem an Projektleitern", bedauert er. Das seien komplexe Positionen, für die es keine spezielle Aus- oder Fortbildung gebe. Der Hersteller setzt u.a. auf die Ausbildung eigener Fachkräfte, um den Nachwuchs zu sichern. Zudem stärke er seine Attraktivität als Arbeitgeber durch die hohe Qualität der Ausbildung.
Transformation bietet viel Potenzial
Wenn Bastian Timm heute zurückblickt, ist er froh, 2010 in das Familienunternehmen eingetreten zu sein. "Mir macht die Arbeit noch immer genauso viel Spaß wie am ersten Tag, und wir haben noch viel vor in unserer strategischen Agenda", betont er. "Unsere aktuelle Transformation der Branche und die gleichzeitige Dekarbonisierung des Gebäudebestands bieten erhebliche Wachstumsmöglichkeiten. In einem solchen Umfeld zu arbeiten, ist trotz aller täglichen Herausforderungen wie zu Zeiten des Goldrauschs."