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Wunschthema 11-2011 Der GFF-Fahrplan für die energetische Sanierung

Schlechte Dämmung an der Fassade, alte Fenster und eine veraltete Heizungsanlage sorgen in vielen Bestandsbauten für einen hohen Energieverbrauch. Hier lesen Sie, wieso Handwerker bei Sanierungen wichtige Vermittler sind und wie Sie bei der Umsetzung am besten vorgehen.

Handwerker gelten laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) in 61 Prozent der befragten Haushalte als wichtige Informationsquelle bei der Ausführung von Sanierungsmaßnamen. Ihre Kompetenz ist also gefragt, um bei der Umsetzung von Maßnahmen Wärmebrücken, die zu Schimmelbildung führen können, zu vermeiden und die Koordination zwischen den verschiedenen Handwerkern sicherzustellen. Obwohl es banal klingt, ist es wichtig, sich als Handwerker bewusst zu machen: Hauseigentümer, die keine energetische Sanierung planen, suchen auch keine entsprechenden Informationen. Sprechen Sie Ihre Kunden deswegen am besten aktiv an. Dazu eignen sich laut DIW zum Beispiel detaillierte Heizkostenabrechnungen, die den eigenen Energieverbrauch im Verhältnis zum Energieverbrauch der Nachbarschaft darstellen. Informationskampagnen könnten gezielt Vorteile einer energetischen Sanierung vermitteln, zum Beispiel mit Blick auf den thermischen Komfort, der bei 75 Prozent der Befragten wichtig für die Entscheidung ist.

Infrarotmessungen decken energetische Schwachstellen auf

Die meisten Gebäudesanierungen erfolgen jedoch aus anderen Gründen, nicht in erster Linie zur Senkung des Energiebedarfs – etwa zur Verschönerung des Erscheinungsbilds. Machen Sie im Vergleich deutlich: Wird eine Wärmedämmung in eine allgemeine Modernisierung eingebunden, reduzieren sich die energierelevanten Kosten laut der Studie auf zirka ein Drittel der Gesamtkosten einer Sanierung und liegen dann in der Größenordnung der Energiekostenersparnis. Konkrete Informationen und Aufklärung über die Vorteile von energetischen Sanierungen im Vergleich zu bloßen Verschönerungen sind in diesem Stadium von grundlegender Bedeutung. Im nächsten Schritt sollten Sie als qualifizierter Experte Hausbesitzern bei der Planung von energetischen Sanierungen helfen. Es geht darum, detaillierte Pläne zu erstellen sowie Optionen einer Sanierung aufzuzeigen und darüber zu entscheiden. Infrarotmessungen helfen, thermische Schwachstellen an Fassaden aufzudecken. Doch auch hier gilt: Unqualifizierte Thermografieaktionen verunsichern Verbraucher mehr, als dass sie ihnen nützen würden. Laut dem Bundesverband für Angewandte Thermografie erfordern seriöse Infrarotuntersuchungen eine ausreichende Temperaturdifferenz von mindestens 15 Grad Celsius zwischen Innen- und Außenbereich. Zudem mache eine Messung frühestens 14 Stunden nach Sonnenuntergang Sinn. Empfehlenswert sind in jedem Fall nicht nur Außen-, sondern auch Innenaufnahmen mit Mikrobolemeter- Kameras. Arbeiten Sie deshalb in Sachen Thermografie am besten mit einem qualifizierten Energieberater zusammen, um energetische Schwachstellen an Gebäuden aufzudecken. Bei der Umsetzung kommt es dann vor allem darauf an, die richtige Reihenfolge einzuhalten. „Erst müssen Fenster und die Gebäudehülle auf den neuesten Stand gebracht werden, und erst danach sollte die Heizung ausgetauscht werden“, sagt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbands Fenster + Fassade (VFF) mit Sitz in Frankfurt. Die Reihenfolge ist deshalb so wichtig, weil viele Hauseigentümer nicht einkalkulieren, dass sich der Heizwärmebedarf des Hauses durch neue Fenster und die verbesserte Außendämmung erheblich reduziert. Dadurch kann die Heizungsanlage kleiner und günstiger dimensioniert werden.

Moderne Wärmeschutzfenster besitzen eine hohe Dämmwirkung. Sie sind doppelt so leistungsfähig wie alte Verbundfenster oder unbeschichtete Isolierglasfenster, die vor 1995 gebaut wurden, und um das Fünffache besser als einfach verglaste Fenster. „Pro Jahr können mit neuen Wärmedämmfenstern je nach Fensterfläche zirka 500 Liter Öl eingespart werden“, erklärt Tschorn. In einem Einfamilienhaus mit 25 Quadratmeter Fensterfläche ließen sich so problemlos bis zu 400 Euro pro Jahr einsparen. Ist eine Fassadendämmung geplant, sollten laut VFF immer zuerst die alten Fenster, also vor allem die vor 1995 eingebauten Fenster mit alter Doppelverglasung, und die Rollläden ausgetauscht werden. So werden Wärmebrücken und spätere Folgekosten durch Ausbesserungsarbeiten vermieden. Bei der Fassadendämmung gilt: Je dicker die Dämmung aufgebracht wird, umso besser ist anschließend die Dämmwirkung. Zum Abschluss der Modernisierung kann beispielsweise ein moderner Brennwertkessel eingebaut werden, der kleiner und damit kostengünstiger ausfallen kann als als größer dimensionierte Modelle.

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