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Gastkommentar von Dr.-Ing. Gerd Maurer BIM als Zukunft der Planung fürs Handwerk

Im Hochbau setzt sich das modellorientierte Planen, d.h. das gemeinsame Arbeiten mit einem BIM-Modell immer mehr durch. Ob auch das ausführende Handwerksunternehmen, z.B. ein Metallbaubetrieb, davon profitieren kann, erläutert Dr.-Ing. Gerd Maurer, Niederlassungsleiter München von Kohlbecker Gesamtplan, in seinem Gastkommentar.

Der wesentliche Aspekt des gemeinsamen Planens in einem BIM-Modell besteht darin, gleichzeitig völlig unterschiedliche Sichtweisen auf dasselbe Projekt zu ermöglichen. Im BIM-Modell sind sämtliche Gebäudeinformationen jederzeit abrufbar. Thermische Gebäudesimulationen und Tageslichtsimulation können direkt aufbauend auf dem BIM-Modell mit großer Exaktheit und Effizienz durchgeführt werden. Auch die erforderlichen Angaben für die Ausschreibungen werden direkt aus dem BIM-Modell abgeleitet.

Nicht im Detail verlieren

Beim Arbeiten mit BIM-Modellen kann es durch die vielfältig gegebenen technischen Möglichkeiten jedoch sehr leicht zu einer viel zu großen Detailtiefe in frühen Planungsphasen kommen unter Verwendung von überladenen Lieferanten-Planungselementen. Ein typisches Beispiel ist die Verwendung von bis ins kleinste Detail konstruierten Türen schon in der Vorplanung. Die Gefahr, sich im Detail zu verlieren, kann nur durch eine phasengerechte Planungstiefe gebannt werden. Hier wird mit reduzierten Planungselementen, die nur die wesentlichen räumlichen Abmessungen und technischen Parameter bedarfsgerecht enthalten, eine vereinfachte Elementkontur modelliert.

Im Planungsablauf des Architekten und Fassadenplaners sind dabei die folgenden Aspekte zu beachten: In der Vorplanung unterstützt die BIM-Technologie die Erarbeitung von planerischen Varianten mit reduzierter Detailtiefe, um die Darstellungen nicht mit unnötigen Details zu überfrachten. Varianten können so lange wie erforderlich parallel dargestellt und weiterverfolgt werden, bis zur Auswahl der endgültigen Planungsvariante in Abstimmung mit dem Auftraggeber. Dessen Entscheidungsfindung kann mit perspektivischen Visualisierungen unterstützt werden. Gleichzeitig können tabellarische Auswertungen erstellt werden. Damit können etwa die für die Kostenschätzung erforderlichen Mengenangaben abgeleitet werden. Im Entwurf wird mit detaillierteren Bauteilfamilien weitergeplant und Informationstiefe erhöht.

Mehr Qualität und Effizienz für Handwerksbetriebe

In der Ausführungsplanung erfolgt daraufhin die planerische Vertiefung und die Einbindung von Details, wie Türspezifikationen und vom Auftraggeber freigegebener Materialangaben. Für die Vorbereitung der Vergabe werden die direkt im digitalen Modell generierten Listen von Bauteilmengen, Raum- und Flächenangaben als Grundlagen für das Aufstellen der Leistungsbeschreibungen verwendet. Idealerweise wird spätestens mit der Vergabe auch das geometrisch exakte BIM-Modell des Architekten an das ausführende Metallbauunternehmen in einem geeigneten Datenformat übergeben.

Seitens des Metallbauers können aufbauend auf den Geometrievorgaben des BIM-Modells des Architekten systemgerechte Konstruktionen verwendet werden und diese quasi als 3D-Werkstattzeichnung zur Prüfung und Freigabe wiederum an den Planer übermittelt werden. Nach Freigabe kann die Vorfertigung und Montage erfolgen – und die Revisionsunterlagen liegen damit ebenfalls bereits vor. Unter Beachtung der oben genannten Voraussetzungen kann ein digitales Planungswerkzeug wie BIM seine qualitäts- und effizienzsteigernde Wirkung auch für ein Handwerksunternehmen entfalten.

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