Nach diesen Kriterien beurteilt Sie Ihre Bank - Business - GFF Magazin

Wie sieht ein kreditwürdiger Betrieb aus?

Nach diesen Kriterien beurteilt Sie Ihre Bank

Die so genannte Kreditwürdigkeitsprüfung zielt vorrangig auf die Jahresabschlüsse des Kreditkunden, die Auskunft geben über die harten Fakten: über Eigenkapital, Rentabilität und Liquidität und deren Entwicklung in der Vergangenheit. - von Michael Bandering

Der Jahresabschluss ist die Visitenkarte des Betriebs, denn das Eigenkapital hat nicht nur eine langfristig ausgelegte Finanzierungsfunktion für einen Betrieb, sondern soll auch etwa eingefahrene Verluste auffangen.

Die Anlagenfinanzierung
Eng damit in Verbindung steht die Rentabilität des Unternehmens, das Ziel jeden wirtschaftlichen Handelns. Unzureichende Liquidität gefährdet selbst einen erfolgreich arbeitenden Betrieb. Hierfür entwickelte Kennzahlen erlauben eine rasche Beantwortung kritischer Fragen und zeigen einen Trend, der – unter Vorbehalt – einen Blick in die betriebliche Zukunft erlaubt. Langfristig gebundene Vermögenswerte (Anlagevermögen) müssen adäquat refinanziert sein durch Eigenkapital (Anlagendeckung I) nach der Formel: Eigenkapital mal 100 geteilt durch Anlagevermögen. Als gesunde Eigenkapitalausstattung ist ein Wert von mindestens 100 Prozent anzusehen, wobei man freilich den eisernen Bestand der Vorräte ebenfalls als langfristig gebunden zu betrachten hat; diese sind folglich dem Anlagevermögen gedanklich hinzuzurechnen. Noch vertretbar ist, wenn zusätzlich langfristige Darlehen in ausreichender Höhe zur Anlagenfinanzierung zur Verfügung stehen (Anlagendeckung II): Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital mal 100 geteilt durch Anlagevermögen.

Die Ertragskraft – der eigentliche Unternehmenszweck
Nicht der Bilanzgewinn/-verlust eines Jahres gibt unmissverständlich Auskunft über den in einem Geschäftsjahr erwirtschafteten Erfolg, sondern das Betriebsergebnis. Hierzu ist das Bilanzergebnis durch Eliminierung atypischer (z.B. Forderungsabschreibung, Bildung/Auflösung von Rückstellungen) und periodenfremder (z.B. Steuernachzahlung/-rückvergütung) Aufwendungen/Erträge zu berichtigen, bei einer GmbH gilt das auch für Zuführungen an/Auflösung von Rücklagen. Ein nach diesen Zu-/Abschreibungen verbleibender Betriebsgewinn sollte im Glasgewerbe etwa zehn Prozent der jährlichen Gesamtleistung (Umsatz ± Bestandsveränderungen – Veränderung von Vorräten/ unfertigen Arbeiten) nicht unterschreiten. Als Pendant des Betriebsergebnisses in absoluten Zahlen dient der Cashflow („Kassenfluss“), der – anders als das Betriebsergebnis – nicht nur atypische und periodenfremde Einflüsse sondern auch Abschreibungen auf das Anlagevermögen eliminiert. Er verweist einerseits auf die Finanzierungskraft (unter anderem für Anlageninvestitionen) eines Unternehmens und bietet andererseits ein unmissverständlicheres Bild der Gewinnqualität, war das Betriebsergebnis etwa durch ausgelaufene oder zusätzliche neue Abschreibungen wesentlich beeinflusst.

Fremdes und eigenes Zahlungsverhalten
Bekanntlich wächst das Debitorenrisiko nicht nur bei Kopflastigkeit der Kundenstruktur, sondern auch mit dem Alter einer Rechnung. Das durchschnittliche Debitorenziel (in Tagen) ermittelt man nach der Formel: Debitoren mal 360 geteilt durch Jahresumsatz. Freilich gibt das so gewonnene Ergebnis nur einen Trend wieder, schließt doch eine ausstehende Rechnung, anders als der in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene Jahresumsatz, die Mehrwertsteuer mit ein. Auch beeinflussen große Rechnungen um die Jahreswende das Ergebnis – je nachdem, ob sie etwa am 29. Dezember erstellt wurden oder am 2. Januar des Folgejahres. Das schlägt sich auch auf das Betriebsergebnis nieder, da erst mit der Rechnungserstellung Gewinn oder Verlust aus dem ihr zugrunde liegenden Auftrag realisiert werden. Selbstverständlich interessiert eine Bank auch das durchschnittlich beanspruchte Lieferantenziel (in Tagen), das nach der Formel zu errechnen ist: Warenschulden plus Akzeptverbindlichkeiten mal 360 geteilt durch Material- und Wareneinkauf ± Bestandsveränderungen.

Die Liquidität
Um die Liquidität des Betriebes einprägsam vor Augen zu führen, ermittelt man diese Größe per Bilanzstichtag in absoluten Zahlen, wobei der Mehrjahresvergleich stichtagsbedingte Zufälligkeiten aufdeckt. Wer mehr hinter die (Bank-)Kulissen schauen möchte, sollte sich die Broschüre „Jahresabschlüsse kleiner und mittelständischer Unternehmen“ von Michael Bandering, Autor dieses Beitrags, besorgen. Sie ist bereits in zweiter Auflage erschienen (Bank-Verlag Medien, Wendelinstr. 1, 50933 Köln; Preis 29 Euro) und zielt eigentlich auf Firmenkundenbetreuer und Kreditsachbearbeiter von Kreditinstituten ab. Sie verzichtet auf Fachchinesisch und ist laiengerecht formuliert. Das Beispiel der auf Seite 74 abgebildeten Bilanzstruktur zeigt ein befriedigendes Bild: Anlagevermögen und „eiserne Bestände“ werden durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital vertretbar refinanziert. Andernfalls bedürfte es des Einschusses liquider Eigenmittel aus der Privatsphäre des Unternehmers – Zurückhaltung bei Privatentnahmen – oder als Notlösung einer langfristigen Umschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten und/oder der Aufnahme eines neuen langfristigen Darlehens. Wobei zu bedenken ist, dass auch langfristige Darlehen sukzessive aus Betriebserträgen zu verzinsen und zu tilgen sind.

Weiche Entscheidungskriterien
Außer der Jahresabschlussanalyse interessiert sich die kreditgebende Bank unter anderem für: • die Konkurrenzsituation des Betriebes • dessen Kunden- und Lieferantenstruktur • die glaubhaft gemachte Erwartungshaltung des Unternehmers • dessen betriebliche Zukunftspläne (z.B. beabsichtigte Investitionen) • die Beantwortung der Frage, wie das Unternehmen bei einem Ausfall des Inhabers/ Management vorgesorgt hat • ob dessen Nachfolge und wenn ja wie diese geregelt ist – überhaupt eine vielfach unterschätzte Frage Selbstverständlich registriert die Bank auch die Art der Kontoführung: • Wie werden Geschäftsumsätze auf welche Banken verteilt? • Werden eingeräumte Kredite flexibel beansprucht oder nicht (wegen etwaiger Gefahr des „Einfrierens“)? • Bittet der Unternehmer wiederholt um Zustimmung zu Konto-/Kreditüber - ziehungen? • Beansprucht er sogar nicht abgesprochene Überziehungen? Auf dem Prüfstand steht auch das Gesamtverhalten des Unternehmers der Bank gegenüber: • Informiert er regelmäßig über wich - tige, auch negative geschäftliche Vorkommnisse? • Liefert er stets aktuelles Zahlen - material? Zu den weiter durchleuchteten Kriterien zählen: Fähigkeit zum Delegieren, Mitarbeiterführung, Belastbarkeit des Unternehmers, Gefährdungen des Betriebes etwa durch überzogenen Lebensstandard, familiäre Probleme, Erbauseinandersetzung. Dabei diktiert nicht etwa Neugier der Bank ihren Wissensdurst, sondern das Bestreben, das ausgeliehene Geld einschließlich Zinsen absprachegemäß auch wieder zurückzubekommen.

 

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