Hintergründe, Funktionen, Marktchancen im Check

Mehr Effizienz durch CCF?

Was steckt hinter dem kryptischen Begriff Closed-Cavity-Facade? Wer profitiert von der Konstruktion und welche Marktchancen bedeutet das für die Branche? GFF-Online hat Spezialisten befragt und liefert Antworten.

Bild: Metzger
Gartner stellte auf der glasstec 2014 die D3-Fassade als dreischaliges Element mit zwei vollständig... mehr

Hinter Closed-Cavity-Facade (CCF) verbirgt sich eine Fassaden-Konstruktion aus zwei verbundenen Fassadenschalen mit einem komplett geschlossenen Zwischenraum. In der sog. Kavität regelt eine Steuerung die Frischluftzufuhr, je nach Außenklima. Durch die Belüftung des Zwischenraums und die Trennung von Außen- und Innenklima soll sich die Energieeffizienz verbessern. Dazu bietet der Zwischenraum Potenzial für den Einsatz von Sonnenschutz und eine weitere Verbesserung der Energiebilanz.

Die Entwicklung vorantreiben

Die Fassadenbauer Permasteelisa, Scheldebouw und Gartner präsentierten auf der glasstec 2014 eine Weiterentwicklung des Fassadentyps: Dual Dynamic Durable Façade (D3-Fassade) als dreischalige Glasfassade mit zwei vollständig geschlossenen Zwischenräumen. „Das ist eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Closed-Cavity-Fassade (CCF)“, erklärt Architekt Johannes Pellkofer vom Institut für Baukonstruktion der Universität Stuttgart, der mit seinem Team die Sonderschau glass technology live (gtl) auf der Düsseldorfer Messe organisiert hatte. In beide Kavitäten hatten die Hersteller Jalousien integriert. Diesen Sonnenschutz liefern die Unternehmen aus unterschiedlichem Material und in diversen Varianten. Für das gtl-Exponat hatten die Konstrukteure Aluminium- bzw. Holzlamellen eingesetzt.

Projekte umgesetzt

In der Schweiz hat Gartner in den vergangenen Jahren mehrere Bürogebäude und Hochhäuser mit Closed-Cavity-Fassaden (CCF) realisiert. Für das Projekt Bau 1 Roche in Basel, ein von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfenes terrassenförmiges Bürogebäude, erhielt das Unternehmen den Auftrag für eine CCF mit 33.200 Quadratmeter Fläche, für die die strengsten Nachhaltigkeitsstandards gefordert sind. Für das Löwenbräu-Areal in Zürich fertigte Gartner Fassaden mit 13.500 Quadratmeter Fläche inklusive spezieller Kipphub-Fenster.

Marktchancen im Blick

Auch Wicona hat Fassaden nach dem CCF-Prinzip, u.a. in Zusammenarbeit mit Fassadenbau-Spezialist App, realisiert und für ein Gebäude der Versicherung Axa Winterthur in Zürich eingesetzt. Die getrocknete Luft, die in den Fassadenzwischenraum eingeblasen wird, erfordert nach Angaben des Unternehmens eine genaue Untersuchung der eingesetzten Materialien, die damit in Kontakt kommen. Deshalb ließ Wicona Dichtungen, Dichtmaterial, Oberflächen, Lacke, Sonnenschutz etc. auf ihre Wechselwirkungen mit der getrockneten Luft und ihre Haltbarkeit sowie Langlebigkeit prüfen. Das Systemhaus will mit CCF in ein Marktsegment vordringen, das derzeit vor allem in der Schweiz und in Deutschland für anspruchsvolle Objekte Potenzial verspricht. Darüber hinaus rechnet sich Wicona weltweit gute Marktchancen aus.

Sonnenschutz zuverlässig steuern

Eine Herausforderung in dem geschlossenen Zwischenraum sind die hohen Temperaturen zwischen den Scheiben. „Es wird verdammt heiß“, sagt Dr. Marc Natusch von Geiger Antriebstechnik, auch wenn die genaue thermische Belastung in der Closed Cavity noch nicht abschließend untersucht ist. 90 Grad Celsius stellen sich auf jeden Fall ein. Um Sonnenschutz trotzdem verlässlich zu steuern, hat Geiger unter dem Namen Geiger System Inline (GSI) eine Antriebslösung für CCF entwickelt, die sich aus Antrieb, Umlenkgetrieben, Kupplungselement und eigendichtender Durchführung durchs Aluminiumprofil zusammensetzt. Systementwickler Geiger hat die komplette Lösung für mehr als 10.000 Zyklen ausgelegt, bestehend aus je einem Verfahren des Raffstores nach unten und oben. Die aufeinander abgestimmten Komponenten des Antriebsstrangs sollen für die gesamte Lebenszeit den störungsfreien Betrieb des Systems gewährleisten.

Mehr zum Thema CCF lesen Sie in der GFF-Ausgabe 9/2015.

 
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